Dr. Gerhard Wallner:

Schätzungsweise leiden rund 70 % der Bevölkerung zumindest gelegentlich unter Verdauungsproblemen. Darmbeschwerden wie Blähungen, Durchfall oder Verstopfung gehören längst auf die Liste der Volkskrankheiten. Doch genau genommen handelt es sich dabei um gar keine Krankheiten, sondern lediglich um Symptome. Solche Beschwerden sind Anzeichen für ein tiefer liegendes Problem, ein Ungleichgewicht oder eine bereits bestehende Erkrankung. Symptome weisen auf körperliche und auch psychische Leiden hin.

Ursachen für die verschiedenen Symptome von Darmbeschwerden

Symptome des Darms werden landläufig gerne mit Erkrankungen verwechselt. Ein gutes Beispiel dafür ist Durchfall. Er ist keine Erkrankung, sondern Symptom einer solchen. Die Ursache für das Symptom kann etwa in einer gestörten Darmflora oder einer Erkrankung – wie einer Infektion mit Bakterien – liegen.

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Auslöser von Darmerkrankungen gibt es übrigens viele: Angefangen bei einem ungesunden Lebensstil, über psychische Beschwerden bis hin zu ernsthaften Erkrankungen, wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Ja nachdem treten Symptome entweder akut, also plötzlich und kurzzeitig oder chronisch, also immer wieder und über einen längeren Zeitraum hinweg auf.

Der Darm und die Psyche

Etwas komplizierter wird es, wenn die Frage nach der Ursache trotz bestehender Symptome ungeklärt bleibt. Mediziner sprechen in der Diagnostik immer wieder von funktionellen Darmbeschwerden. Darunter verstehen sie chronisch auftretende Symptome, für die selbst nach ausführlicher Untersuchung kein Grund gefunden werden kann. Nicht selten verlassen Patienten die Praxis dann mit der Diagnose Reizdarmsyndrom. Diese wird aber gerne vorschnell ausgesprochen. Denn hinter Beschwerden wie einem Reizdarm können auch behandelbare Ursachen wie Allergien oder psychische Auslöser stecken.

Emotionen und der Verdauungstrakt sind eng miteinander verknüpft. Nicht umsonst spricht man davon, dass einem etwas auf den Magen schlägt oder man etwas nur schwer verdaut hat. Stress, Angst oder Trauer sind für viele Beschwerden im Magen-Darm-Bereich verantwortlich. Diese Erkenntnis veranlasste die Wissenschaft dazu, sich intensiv mit der so genannten Darm-Hirn-Achse auseinanderzusetzen. Nach und nach erkannte man, dass die Psyche bei der Entstehung vieler Symptome im Darmbereich mitwirkt. Darm und Hirn stehen über Millionen von Nervenzellen in ständigem Austausch miteinander. Dieses sogenannte Enterische Nervensystem durchzieht den gesamten Magen-Darm-Trakt und arbeitet autonom, also unabhängig. Es ist für die Steuerung der motorischen Funktionen im Verdauungstrakt zuständig, was seinen Einfluss auf unsere Verdauung und die Entstehung von Beschwerden in diesem Bereich erklärt.

Die Darmflora und ihre Rolle für die Gesundheit

Doch in der Kommunikation hat noch jemand ein Wörtchen mitzureden. Im Darm haben sich Millionen von Mikroorganismen angesiedelt. Die Bakterien leben in Symbiose mit dem Menschen. Sie ernähren sich von Nahrungsresten und helfen im Gegenzug bei der Verdauung, produzieren Vitamine und stärken das Immunsystem. Die Summe aller Bakterien wird als Mikrobiom oder Darmflora bezeichnet. Die Mikroorganismen kommunizieren über von ihnen produzierte Stoffe mit der Darmschleimhaut und haben nachgewiesen Einfluss auf Emotionen, Gedächtnis und Stressempfinden.
Es wird also schnell klar, warum man sich um eine gesunde und ausgewogene Darmflora bemühen sollte. Kommt sie aus dem Gleichgewicht, wirkt sich das negativ auf das Wohlbefinden des gesamten Organismus aus. Auch das begünstigt die Entstehung von Beschwerden. Ein ungesunder Lebensstil, schlechte Ernährung und Medikamente sind übrigens häufige Risikofaktoren für ein geschwächtes Mikrobiom.

Wie werden Symptome untersucht?

Beschwerden im Verdauungsbereich sollten keinesfalls ignoriert werden. Medizinern steht heutzutage eine breite Palette an diagnostischen Mitteln zur Verfügung. Etwa können endoskopische Verfahren einen Blick in den Verdauungstrakt liefern. Je nach Beschwerdebild führen Gastroenterologen eine Gastroskopie (Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm), eine Enteroskopie (Dünndarm), eine Koloskopie (Dickdarm, Enddarm), eine Rektoskopie (Mastdarm) oder eine Proktoskopie (Ennddarm) durch. Die Koloskopie etwa gehört zu den Routineuntersuchungen gegen Darmkrebs, wird aber auch bei Symptomen wie Blut im Stuhl zur Aufklärung herangezogen.
Neben den bildgebenden Verfahren verfügen Ärzte auch die Stuhldiagnostik zur Ursachenforschung. Mit ihrer Hilfe können aussagekräftige Informationen über die Zusammensetzung der Darmflora und eine etwaige Besiedelung mit Pilzen oder Parasiten gewonnen werden.