Dr. Gerhard Wallner:

Darmbeschwerden sind vielfältig. Je nach Ursache sehen sie anders aus: Von Verstopfung über Durchfall, Völlegefühl und Blähungen bis hin zu Bauchschmerzen. Während manche Symptome harmlos sind und gut selbst behandelt werden können, machen starke oder chronische Beschwerden einen Besuch beim Arzt unumgänglich. Je nach Art und Schwere der Symptome werden Allgemeinmediziner oder Gastroenterologe angemessene Maßnahmen wählen.

Diese könnten etwa sein:

  • Sanierung der Darmflora
  • Medikamentöse Behandlung
  • Lebenswandel und/oder Ernährungsumstellung
  • Behandlung mit Hausmitteln

Sanierung der Darmflora

Häufig stehen Darmprobleme in Zusammenhang mit einer gestörten Darmflora. Kommen die Mikrobiota in unserem Darm einmal aus dem Gleichgewicht, hat das Auswirkungen auf unseren gesamten Organismus. Denn Darmbakterien unterstützen uns bei der Zersetzung von Nahrungsresten, erzeugen Vitamine und nehmen eine wichtige Rolle im Immunsystem ein. Siedeln sich zunehmend schädliche Bakterien im Darm an, kann es hingegen zu Gärungs- und Fäulnisprozessen kommen. Auch Parasiten und Erreger haben dann leichteres Spiel. Und nicht zuletzt wird auch das Abwehrsystem geschwächt.
Es wird ein negativer Kreislauf in Gang gesetzt, der zu vielen Beschwerden und Erkrankungen wie einer erhöhten Infektanfälligkeit, Hautproblemen, Allergien und Darmerkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom führen kann. Um die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen, kann der Arzt eine Kur mit Pro- und Präbiotika verordnen.

Medikamente gegen Darmerkrankungen

Je nachdem welche Ursache hinter den Symptomen stecken, kann eine medikamentöse Behandlung nötig sein. Haben etwa Bakterien oder Viren eine Infektion ausgelöst, kann die Einnahme von Antibiotika oder Virustatika in der Heilung unterstützen. Liegt eine schwerwiegende Verstopfung vor, helfen Abführmittel und leidet der Patient an schweren Bauchschmerzen können krampflösende Mittel Linderung verschaffen.
Bei schweren Erkrankungen des Darms kann auch ein operativer Eingriff notwendig werden, etwa die Entfernung des Wurmfortsatzes bei einer Blinddarmentzündung.

Ernährung und Stressmanagement für Darmgesundheit

Im Darm wird die Nahrung in ihre Einzelteile zerlegt. Die Nährstoffe gelangen über die Darmschleimhaut in unseren Blutkreislauf und werden im Organismus verteilt. Als Verdauungsorgan hat der Darm intensiv mit unserer Nahrung zu tun. Wenig verwunderlich, dass die Ernährung einen großen Einfluss auf sein Wohlbefinden, oder auch sein Unwohlsein hat. Eine pflanzenbasierte, ballaststoffreiche und ausgewogene Ernährung unterstützen ihn bei der Heilung.
Doch eine ausgewogene Ernährung reicht nicht immer, um beschwerdefrei zu werden. Denn auch Intoleranzen (Lactose, Fructose) oder Nahrungsmittelallergien können Ursache für Beschwerden sein. Um sie festzustellen, kann es hilfreich sein, ein Ernährungstagebuch zu führen. Zur eindeutigen Diagnose tragen auch medizinische Tests bei.
Neben der Ernährung sind auch unsere Lebensumstände entscheidend für die Darmgesundheit. Stress, Alkohol und Rauchen begünstigen Magen-Darm-Beschwerden. Ein Wandel des Lebensstils kann daher durchaus Teil der Behandlung sein.

Hausmittel für den Darm

Bei leichten Beschwerden ist es nur wenig sinnvoll starke Medikamente einzusetzen. Man muss die Symptome aber auch nicht einfach aussitzen. Es gibt eine ganze Reihe an altbewährten Hausmitteln, die bei Darmproblemen zur Linderung beitragen können.
Kräutertees etwa helfen bei leichten Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall. Bei Letzterem führen auch Aktivkohletabletten aus der Apotheke und eine vorübergehende Diät, etwa mit Karottensuppe, geriebenem Apfel und Zwieback zu einer Besserung der Symptome. Handelt es sich um eine Verstopfung kann mit Lebensmitteln ebenfalls viel erreicht werden, etwa einer ballaststoffreichen Kost. Und plagen den Betroffenen Bauchschmerzen und Krämpfe können ein warmes Bad, eine Wärmeflasche oder ein erwärmtes Kirschkernkissen die Symptome lindern.

Wie werden Magen-Darm-Erkrankungen diagnostiziert?

Darmbeschwerden treten oftmals nur über einen kurzen Zeitraum auf. Dann können sie Ausdruck einer harmlosen Infektion sein und enden so schnell, wie sie aufgetreten sind. In diesen Fällen werden die Beschwerden meist von den Betroffenen selbst behandelt. Den Gang zum Arzt treten die meisten erst an, wenn die Symptome besonders stark auftreten, sie sehr häufig auftreten oder gar chronisch werden.

Der Mediziner wird zunächst ein ausführliches Anamnesegespräch vornehmen.
Wichtige Informationen sind etwa:

  • Art der Beschwerden (z.B. Schmerzen, Stuhlveränderungen, Gewichtsveränderungen, Fieber)
  • Dauer der Beschwerden
  • Bekannte Vorerkrankungen, Unverträglichkeiten oder Allergien
  • Bekannte Vorerkrankungen von Familienmitgliedern
  • Einnahme von Medikamenten
  • Mögliche Aufenthalte im Ausland

Je nach Ergebnis dieser Anamnese führt der Arzt eine körperliche Untersuchung durch. Das kann sich auf einen Blick in den Mundraum und ein Abtasten sowie Abhören des Bauchraumes beschränken. Reicht diese Untersuchung für eine eindeutige Diagnose noch nicht aus, kann der Arzt eine bildgebende Untersuchungsmethode verordnen.

Dazu zählen etwa:

  • Röntgenaufnahmen
  • Ultraschalluntersuchung
  • Computertomographie (CT)
  • Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Angiographie
  • Manometrie

Neben den bereits genannten bildgebenden Verfahren gibt es eine ganze Palette an endoskopischen Untersuchungen, bei der die Verdauungsorgane von innen betrachtet werden können:

Verfahren Untersuchtes Organ Mögliche Befunde Wird eingesetzt bei
Gastroskopie (Magenspiegelung) Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm
  • Magenschleimhautentzündung
  • Magengeschwüre
  • Zwölffingerdarmgeschwüre
  • Magenkrebs
  • Speiseröhrenkrebs
  • Sodbrennen
  • Erbrechen
  • anhaltender Übelkeit
  • Magenschmerzen
  • Schluckstörungen
  • schwarzer Stuhl
  • Gewichtsabnahme
  • postoperative Kontrolle
Enteroskopie (Dünndarmspiegelung) oder Kapselendoskopie Dünndarm
  • Dünndarmblutungen
  • entzündliche Dünndarmerkrankungen
  • Tumorerkrankungen im Dünndarm
  • Polypen
  • Geschwüre
  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Gewichtsverlust
  • Auffälligkeiten bei Laborwerten
Koloskopie (Darmspiegelung) Dickdarm, Enddarm
  • Divertikel
  • Polypen
  • Tumoren
  • Geschwüre
  • entzündliche Erkrankungen z.B. Colitis ulcerosa
  • Engstellen
  • Blutungen der Schleimhaut
  • Blut im Stuhl
  • Stuhlunregelmäßigkeiten
  • chronischer Durchfall
  • Darmentzündungen
  • Bauchschmerzen
  • Gewichtsabnahme
  • Appetitlosigkeit
Rektoskopie (Mastdarmspiegelung) Mastdarm
  • Rektumkarzinom
  • Entzündungen
  • Ausstülpungen
  • Polypen
  • Hämorrhoiden
  • Fistelgänge
  • Unregelmäßigkeiten oder Beschwerden beim Stuhlgang
  • Blut im Stuhl
  • Blutungen des Anus
Proktoskopie (Enddarmspiegelung) Enddarm
  • Hämorrhoiden
  • Rektumkarzinom
  • Polypen
  • Analfisteln
  • Abszesse
  • Tumore
  • Analfissur
  • Analprolabs
  • Juckreiz am After
  • Schmerzen bei Stuhlgang
  • Schleim oder Blut im Stuhl
  • Abszesse
  • Fremdkörpergefühl bei After
  • Entzündungen im Afterbereich