Clostridium difficile / Clostridioides difficile

Wir kommen ungewollt mit ihm in Berührung. Und in vielen Fällen ist uns das gar nicht bewusst: Clostridium difficile ist Erreger einer mild bis schwer verlaufenden Durchfallerkrankung. Doch nicht immer bricht die Krankheit aus. Dafür muss erst die Darmflora ins Straucheln geraten.

Was ist Clostridium difficile?

Clostridium difficile ist ein stabförmiges Bakterium, das eine Durchfallerkrankung verursachen kann. Seit 2016 wird es unter dem Namen Clostridioides difficile geführt. Der Begriff hat sich noch nicht flächendeckend durchgesetzt, weshalb auch in diesem Artikel vorwiegend die Bezeichnung Clostridium difficile verwendet wird. Clostridium d. ist anaerob, es benötigt also keinen Sauerstoff, um Stoffwechsel zu betreiben. Ganz im Gegenteil: Außerhalb eines Wirtes, in sauerstoffreicher Umgebung, fühlt sich das Bakterium gar nicht wohl. Um dennoch zu überleben, bildet Clostridium d. umweltresistente Sporen. So kann es einerseits in sauerstoffreicher Umgebung überleben und ist andererseits tolerant gegenüber großer Wärme und Austrocknung. Sogar chemischen Substanzen kann es trotzen. Das macht die Sporen auch resistent gegenüber Desinfektionsmitteln.

Eigenschaften des Bakteriums

 

Clostridium difficile ist: … das heißt:
obligat anaerob Der Organismus kann alleine und ohne Sauerstoff Stoffwechsel betreiben. Das heißt auch, dass er durch Sauerstoff gehemmt oder abgetötet wird.
beweglich Der Organismus kann sich mit Hilfe von Geißeln oder Fibrillen fortbewegen.
ein gram-positives Stäbchenbakterium Bakterien werden dann als gram-positiv bezeichnet, wenn sie sich in der Gram-Färbung (Färbung zur Darstellung von Bakterien in der Lichtmikroskopie) blau färben. Sie besitzen meist eine dicke Mureinhülle. Stäbchenbakterien haben, wie es der Name bereits verrät, eine längliche Form.
zur Sporenbildung fähig Manche Bakterien sind in der Lage, aerotolerante Sporen zu bilden. Aerotolerant bedeutet, dass die Sporen in Gegenwart von Sauerstoff wachsen können, ihn aber nicht für den Stoffwechsel benötigen. Clostridium difficile bildet so genannte Endosporen, also eine sehr robuste Übergangsform innerhalb des Organismus. Das Bakterium kann als Spore ungünstige Witterungsbedingungen überdauern. Das macht es widerstandsfähig gegenüber hohen Temperaturen (bis zu 100°), Austrocknung und verschiedenen chemischen Substanzen inkl. einiger Desinfektionsmittel.

Wo kommt Clostridium difficile vor?

Das Bakterium kann in sämtlichen Organismen und Lebewesen sowie in der Umwelt vorkommen. Es ist weltweit verbreitet und befällt sowohl Menschen als auch Tiere. Zu Infektionen kommt es insbesondere in Zusammenhang mit medizinischen Behandlungen, wie einer Anitbiotika-Therapie. Eine Infektion mit Clostridium difficile gilt als die häufigste Ursache einer bakteriellen Magen-Darm-Erkrankung im Rahmen eines Krankenhausaufenthaltes. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch oder Tier zu Mensch erfolgt mittels vom Bakterium gebildeter Endosporen. Clostridium difficile konnte auch in Lebensmitteln nachgewiesen werden.

 

Die Verwandtschaft von Clostridium difficile

Abteilung: Firmicutes
Klasse: Clostridia
Ordnung: Clostridiales
Familie: Clostridiaceae
Gattung: Clostridioides
Art: Clostridioides difficile

Welche Symptome löst Clostridium difficile aus?

Hat man sich einmal mit dem Bakterium infiziert, nistet es sich im Darm ein. Oft bleibt der Betroffene symptomlos und bemerkt so die Anwesenheit des Mikroorganismus nicht. Gerät die Darmflora, etwa durch den Einsatz eines Antibiotikums, aus dem Gleichgewicht, ist die Stunde des Clostridium d. gekommen. Gute Bakterien schützen den Darm und damit den Organismus vor der Ausbreitung von bösartigen Erregern. Werden sie durch das Antibiotikum zerstört, hat Clostridium difficile die Möglichkeit, sich zu vermehren und weiter auszubreiten. Denn der Erreger ist gegen viele Antibiotika resistent und nimmt somit keinen Schaden.

Bricht die Krankheit aus, wird zwischen zwei Verlaufsformen unterschieden:

  1. Milder Verlauf: Es kommt zu Clostridium-difficile-assoziierter Diarrhö (Durchfall), die meist mit Absetzen des Medikaments endet
  2. Schwerer Verlauf: Es kommt zur Entstehung einer Antibiotika-assoziierten Kolitis (AAC), die im schlimmsten Fall tödlich endet.

Verantwortlich für die Erkrankung sind neben der bakteriellen Überwucherung insbesondere die Giftstoffe Enterotoxin und Zytotoxin, die von Clostridium d. gebildet werden. Ersteres führt zu einem Flüssigkeitsverlust über den Darm, zweiteres greift direkt die Zellen des Dickdarms an, was die Darmschleimhaut schädigt. Der Körper reagiert prompt mit wässrigem, faulig riechendem Durchfall, Schmerzen im unteren Bauch und Fieber. Bei schweren Verläufen ist der Stuhl mit Blut angereichert. Zudem ist bei Patienten mit einer Clostridium–difficile-Infektion die Anzahl der Leukozyten im Blut erhöht, das in der Leber produzierte Blut-Eiweiß Albumin ist verringert.

Bei schwerem Verlauf kann es zu folgenden, teils lebensbedrohlichen Komplikationen kommen:

  • toxisches Megakolon (Akute Ausdehnung des Dickdarms mit Gefahr eines Durchbruchs)
  • Darmverschluss (Darmpassage ist blockiert, der Darminhalt steckt fest)
  • Darmperforation (Darmdurchbruch, Darminhalt gelangt in den Bauchraum)
  • Sepsis (Blutvergiftung)

Woran erkennt man eine Infektion mit Clostridium difficile?

Eine Infektion mit Clostridium difficile erkennt man u.a. an:

  • wässrigem Durchfall mit fauligem Geruch
  • Schmerzen im unteren Bauch
  • Fieber (nicht immer)
  • Blut im Stuhl (bei schwerem Verlauf
  • Ausbruch häufig nach Einnahme von Antibiotika, auch noch Wochen bis Monate danach

Wann zum Arzt?

Sie sollten einen Arzt aufsuchen, wenn:

  • die oben genannten Symptome auftreten und der Betroffene innerhalb der letzten zwei Monate Antibiotika eingenommen hat
  • es sich beim Betroffenen um ein Kleinkind, Kinder oder eine ältere Person handelt
  • kürzlich oder aktuell ein Aufenthalt im Krankenhaus bestand
  • der Betroffene an einer Immunschwäche leidet
  • der Betroffene andere Medikamente wie Ibuprofen einnimmt
  • wenn der Betroffene an weiteren Darmerkrankungen leidet
  • wenn sich der Betroffene in schlechtem Allgemeinzustand befindet

Wann bricht eine Clostridium-difficile-Infektion aus und wie lange ist man ansteckend?

Nicht bei jedem Infizierten bricht auch eine Erkrankung aus. Viele Menschen tragen Clostridium difficile in sich, ohne Symptome zu entwickeln. Erst wenn es zu einer Schwächung der Darmflora kommt, erkranken die Betroffenen. Das macht eine genaue Aussage über die Inkubationszeit schwierig. Bei einer Antibiotikatherapie beträgt die Dauer bis zum Ausbruch meist wenige Tage. Es kann sich in einigen Fällen aber auch um Wochen oder Monate handeln. Akut Erkrankte scheiden ein hohes Maß an Krankheitserregern aus, was das Bakterium hoch ansteckend macht. Auch asymptomatisch Erkrankte können Clostridium d. weitergeben. Infizierte sollten bis zu 48 Stunden nach Ende der Durchfälle isoliert werden.

Wer ist besonders von einer Infektion betroffen?

In erster Linie sind Kleinkinder von einer Besiedelung betroffen (80 %), bei Erwachsenen wird das Bakterium seltener nachgewiesen (ca. 5 %). Dennoch ist Clostridium difficile für rund ein Fünftel aller Antibiotika-assoziierten Durchfallerkrankungen verantwortlich. In den vergangenen 20 Jahren wurde ein signifikanter Anstieg von Clostridium-difficile-Infektionen in Krankenhäusern verzeichnet, weshalb schwer verlaufende Infektionen seit 2010 einer Meldepflicht unterliegen.

Wie wird C.difficile übertragen?

Clostridiodes difficile wird in großen Mengen mit dem Stuhl Erkrankter ausgeschieden. Das Bakterium und seine Sporen sind hoch ansteckend. Schon eine geringe Menge an Erregern führt zu einer Infektion.
Der Großteil der Ansteckungen erfolgt direkt von Mensch zu Mensch mittels Schmierinfektion. Schon geringe Mengen an Stuhlresten können von Hand zu Hand weitergegeben werden. Über den Kontakt der Hand mit dem Mund gelangt das Bakterium in den Organismus.
In Form von Sporen kann Clostridium difficile auch außerhalb des Körpers überdauern, weshalb auch eine indirekte Übertragung des Erregers möglich ist. Schon das Berühren von Gegenständen und Flächen kann eine Infektion verursachen. Besondere Gefahr bergen in diesem Fall Toiletten sowie Türklinken.

Wie kann man sich vor Clostridiodes difficile schützen?

Der wohl effektivste Schutz vor einer Infektion mit Clostridium difficile ist die Pflege der Darmflora. Ist sie intakt, kann sich der Erreger, selbst wenn er in den Körper gelangt, erschwert vermehren. Da die meisten Erkrankungen in Zusammenhang mit einer medizinischen Behandlung, insbesondere mit Antibiotika, stehen, sollten die Medikamente nur dann verabreicht werden, wenn die Behandlung zwingend notwendig sind. Vorbeugend und auch während der Einnahme von Antibiotika können Probiotika das Risiko einer Infektion senken.
Da die meisten CDI-Infektionen im Krankenhaus entstehen, sind sachgerechte Hygienemaßnahmen in den Kliniken eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung. Ansonsten gelten die üblichen Hygieneregeln bei bakteriellen Infektionen wie:

  • Regelmäßiges Händewaschen mit Seife, vor allem nach Aufsuchen der Toilette und vor der Zubereitung von Speisen
  • direkten Kontakt mit Erkrankten möglichst vermeiden
  • wenn man selbst erkrankt ist, wenn möglich eine eigene Toilette verwenden und keine Speisen für weitere Personen zubereiten
  • Während der Erkrankung eigene Handtücher, Waschlappen etc. verwenden
  • Bettwäsche, Handtücher und Geschirrtücher regelmäßig bei mindestens 60°C waschen
  • Kleidung von Erkrankten getrennt von Kleidung anderer im Haushalt lebender Personen waschen
  • Geschirr mit heißestem Programm spülen
  • Toilette, Türklinken, Lichtschalter, Armaturen etc. regelmäßig reinigen

Wie wird eine Clostridium-difficile-Infektion festgestellt?

Zur Feststellung des Bakteriums im Darm stehen verschiedene Verfahren zur Auswahl. Dabei werden entweder die durch das Bakterium gebildeten Toxine, die DNA des Erregers oder das Bakterium selbst nachgewiesen.

  • Nachweis des Toxins im Stuhl mittels Schnelltest oder ELISA (enzymgekoppeltes, immunologisches Nachweisverfahren)
  • Clostridium-difficile-PCR
  • Bakterienkultur
  • Für sämtliche Testverfahren wird vom Patienten eine Stuhlprobe genommen.

Wie wird eine Clostridium-difficile-Infektion behandelt?

Ist die Durchfallerkrankung ausgebrochen, kann sie je nach Verfassung des Betroffenen auch ohne medizinische Hilfe abheilen. Ansonsten wird eine C.difficile-Infektion medikamentös in erster Linie mit dem Antibiotikum Metronidazol behandelt. Schlägt diese Therapie nicht an, können auch Vancomycin und Teicoplanin, ebenfalls Antibiotika, zum Einsatz kommen. Eine vergleichsweise neue Behandlungsmethode basiert auf dem Antibiotikum Fidaxomicin, das Clostridium-difficile-Erreger gezielt abtötet, also kein Breitbandantibiotikum ist. In seltenen und schweren Fällen kann ein chirurgischer Eingriff nötig werden. Dann wird ein Teil des Dickdarms entfernt.

Ist eine Infektion meldepflichtig?

Ja, aber nicht immer. Nur eine schwere Infektion mit Clostridioides difficile unterliegt in Österreich seit Jänner 2010 der Meldepflicht nach Epidemiegesetz. In Deutschland müssen Erkrankung und Tod durch Clostridium d. dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

Quellen:

https://www.bode-science-center.de/center/hygienemassnahmen/sporenbildende-bakterien.html
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Clostridium.html
https://www.bfr.bund.de/de/clostridien-54348.html
https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/clostridium-difficile/#c748
https://www.ages.at/mensch/krankheit/krankheitserreger-von-a-bis-z/clostridioides-difficile#:~:text=Seit%2018.,der%20Meldepflicht%20nach%20dem%20Epidemiegesetz.
https://www.gesundheit.gv.at/labor/laborwerte/infektionen-bakterien/clostridium-difficile-toxin-a-b-stuhl
https://www.arzneimitteltherapie.de/heftarchiv/2012/11/fidaxomicin-neue-therapiemoglichkeit-bei-c-difficile-assoziierter-diarrho.html

Autor: Dr. Gerhard Wallner

Dr. med. Gerhard Wallner ist der Begründer der Marke Kompetenzzentrum Bauch . Der gebürtige Salzburger führte in seiner aktiven Zeit als Arzt ein Gesundheitszentrum in Wien und verschrieb sich der Forschung und Behandlung in der Darm-Medizin. Sein jahrzehntelang gesammeltes Know-How fließt nun in die Entwicklung der Dr. Wallner Nahrungsergänzungsmittel.